Der rote Faden…

Oder: Vom Versuch, auf einem Spinnennetz zu balancieren…

Bei uns sind sie ja momentan zu acht. Der Teenager markiert im Moment am liebsten indoor, wahrscheinlich, um seine Herzensdame zu beeindrucken. Die lässt sich neuerdings von ihm im Gesicht rumkratzen und zeigt äußerst selten ihre Zähne. Und das obwohl sie – “der General” – solche Annäherungsversuche noch nie zu schätzen wusste, nun gut – wir müssen flexibel bleiben…

Den Chef lässt mittlerweile so ziemlich alles kalt, die Freuden des Alters bringen eben auch eine gewisse Leichtigkeit mit sich. Führungslos rudern nun die anderen sieben durch den Tag? Weit gefehlt, sie tauschen ihre Rollen, Zuständigkeiten und Empathien, wie es ihnen gefällt. Dabei brechen sie trotzdem nicht als Team zusammen. Wie ist das möglich?

Adelheid – der Name ist Programm – hat für sich entschieden, dass sie nun erwachsen ist und fortan ihre Sachen ihre bleiben – egal, was der Königspudel dazu sagt. Der hat das Erwachsenwerden nämlich verpasst und bekam deshalb neulich eine verpasst, als es um das Spielzeug ging. Stand nun die totale Rebellion ins Haus? Der Dackel übernimmt das Ruder und bei Regen gehen wir fortan nie mehr vor die Tür? Zum Glück sind die acht im Ganzen nicht durch solche Beben zu erschüttern… Hilde würde sich der Regenorder noch fügen, aber dieses Beutedings war ihr sowieso egal. Weshalb sie den Führungswechsel auch souverän verschlafen hat.

Ach ja, die anderen zwei. Die sind irgendwie sowieso total out of order. Der eine darf seine Führungsambitionen nicht ausleben, weil er seine Zähne dabei nicht im Griff hat. Ein unangemeldeter Übernahmeversuch wurde souverän und ganz undemokratisch von mir – Nummer 9 – vor einiger Zeit negativ entschieden. Da ich – Nummer 9 – in seinem Universum das wichtigste bin, kann er gut mit dieser Entscheidung leben. Hauptsache, wir gehen hin und wieder spazieren ohne ein vollständiges Rudel zu sein. Geht ja sowieso nicht, wir sind ja zu acht und nicht zu sieben, wie manche Ideologen das gerne hätten.

Ja und dann war da noch – genau – Crazy Dog. Die mit ihren 5 Jahren immer wieder für eine Überraschung gut ist. Hat sie doch klammheimlich, ohne es anzumelden, den Job vom Chef übernommen. Aber nur auswärts! Im Außendienst sozusagen. Wo die anderen Möchtegerns, Führungstrainees und Mitarbeiter abgelenkt sind. Da kann sie sich frei entfalten und regelt andere Hunde, so wie es sein soll. Tja, wer hätte das gedacht? Dass aus diesem kinder- und kleine Hunde fressenden Balljunkie ein Streetworker wird? Nun, wir müssen flexibel bleiben…

Flexibel bleiben bringt so einiges mit sich. Unter anderem die Notwendigkeit, selber zu denken. Genau hinzuschauen und zu hinterfragen, ob heute noch gilt, was gestern so gut passte. Und da wären wir beim roten Faden – bzw. beim Spinnennetz. Hunde sind in Bewegung ihr ganzes Leben lang. Sie ziehen ein und wollen erzogen, verzogen, gebunden, in Beziehung gearbeitet und nebenbei auch noch ein bisschen ausgebildet werden. Dabei treffen sie auf uns. Wir möchten lieben, geliebt werden, in Ruhe gelassen werden, endlich mal fertig erziehen und auf jeden Fall nicht alleine am Waldrand stehen. Ganz nebenbei wächst die Liebe, das Vertrauen und die Erfahrung. Auf dem Weg zu uns müssen wir so manche Träne weinen, lachen, wütend sein und manchmal auch resignieren.

Was uns keiner dann geben kann, ist ein Rezept. Eine Schublade, ein Denk- und Handlungsmuster, eine Theorie. Die kalte Wahrheit ist, es gibt kein Rezept. Es gibt uns und unseren Hund. Ein einzigartiges Team. 24 h Alltag, in denen kein Hundetrainer, keine Philosophie und kein Trainingskonzept in jeder Minute alles steuern kann. Das steuern wir selbst. Und das können wir auch am besten selbst. Indem wir genau hingucken, hinterfragen und flexibel bleiben. Dabei helfen uns Schubladen, Wortkonstrukte und Regeln. Das ist es auch nicht, was uns kaputt macht. Lass den Teenager doch Teenager sein, Du darfst nur den Zeitpunkt nicht verpassen, an dem er erwachsen wird und Dinge ernster meint, als Du dachtest…

Es wird unseren Hunden eben nicht gerecht, sie in eine Schublade zu stecken. Die munteren acht können da ein Liedchen von singen. Sie möchten nicht ideologisiert, kategorisiert und immer bei Besuch auf den Platz geschickt werden. Sie möchten verstanden, angenommen und gut versorgt werden. Es ist ihnen völlig wumpe, ob wir sie für einen Angsthund, Leinenpöbler, Typ A, B, Mitarbeiter oder Gelegenheitsjobber halten. Wir können sowieso nicht in ihren Kopf gucken, sondern nur davor. Wir können nur wir selbst sein und das bestmöglich. Damit sind sie schon zufrieden. In diesem Sinne, lasst Euch nicht verrückt machen da draußen.

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