Nachdenken über… Ignoranz

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Gestern trafen sich Malko, Deutsch Kurzhaar mit klarem Führungsanspruch und Buddy, unsichere 50kg in der Sturm und Drangzeit, auf der Hundewiese. Auf dem Spielplan stand: ein Lehrstück in Sachen Ignoranz.

Malko nahm das Eintreffen des jungen Schnösel zunächst gar nicht zur Kenntnis. Kluge Strategie, um unnötige Aufregung zu vermeiden. Andererseits – die Ignoranz gab gleichzeitig Raum für Entwicklung. Buddy lief zur Höchstform auf. In einer wilden Toberunde mit Dobermannhündin Shila lies er die Muskeln spielen.

Die Rechnung hatte er nicht mit Malko gemacht. Ganz effizient fixierte der mit klarem Blick das aufgeregte Spiel und machte seinen Standpunkt in ruhiger und klarer Gangart klar. Fortan wurden die Grenzen für Buddy enger gesteckt. Der zog sich liebend gern in den Schatten seines Menschen zurück.

Ignorieren ist eine Kunst. Als Feedback für den Hund (ein gewollter Widerspruch in sich 🙂 ) manchmal sehr wirksam. Das Problem an der Sache? Indem ich etwas bewusst ignoriere, denke ich ja schon darüber nach. Nun sind wir Menschen doch manchmal leicht zu durchschauen. Sich innerlich aufregen und nach außen hin cool bleiben? Gar nicht so einfach.

Gehen wir nochmal zurück zu Malko und Buddy. Ignorieren war so lange eine erfolgreiche Strategie, wie das Verhalten des jungen Schnösel sich in einem angemessenen Rahmen und ausreichendem Abstand bewegte. Was dabei angemessen und ausreichend ist, ist individuell.

Damit ist das Rezept für Ignoranz als Teil der Beziehungsdynamik zwischen Mensch und Hund auch schon zusammengestellt:

Man nehme…

eine klare Vorstellung von Angemessenheit.

Abhängig vom Charakter des Hundes, seiner Position und unserem eigenen Standing entsteht eine gesunde Mischung aus gegenseitigem Respekt und Zugewandtheit.

Man nehme…

Raum ein.

Wie nimmt man Raum ein? Agieren statt Reagieren ist eine Möglichkeit. Gucken wir nochmal auf Malko. Der hat sich natürlich keineswegs ignoriend an den Rand der Hundewiese gestellt. Nein, er ist sogar auf einen halben Meter Abstand an Buddy vorbeigelaufen, ohne ihn zur Kenntnis zu nehmen.

Gucken wir uns ein anderes Beispiel an. Sie sitzen am Schreibtisch und Ihr Hund fordert sie durch wiederholt kräftiges Stupsen zum Spielen auf. Sie versuchen, das Verhalten zu ignorieren. Ja, das könnte vielleicht klappen…

Doch – wer nimmt hier gerade Raum ein? Ein Platzverweis könnte je nach Hund zu mehr Klarheit führen.

Anders wäre es, würde Ihr Hund mal kurz zärtlich anfragen, ob irgendwas geht. So macht es manchmal mein Hund. Setzt sich neben mich und schaut mich an. Ohne körperlich zu werden. Da gucke ich drüber weg, wenn es grade nicht passt. Mit dem Ergebnis, dass mein Hund in Tiefschlaf auf seinem Kissen verfällt.

Andererseits kann Ignoranz ja auch ganz schön in Rage bringen. Besonders wenn der eigene Hund dieses Verhalten uns gegenüber an den Tag legt. Da ist dann wohl was schief gelaufen. Kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken oder seine Energie in Ärger zu verschwenden.

Ignoranz beim Hund kann verschiedene Ursachen und Motive haben. Je nachdem gestaltet sich dann auch die Lösung. Ein Hund im Jagdmodus ignoriert nicht unbedingt den Rückruf, er nimmt ihn vielleicht nur nicht vordergründig wahr. Ein Hund, der sich vom Besitzer entfernt, um auf andere Hunde zuzulaufen, ignoriert nicht, in erste Linie er trifft eine Entscheidung. Ein Hund aber, der sich frei im Gelände bewegt und auf Angebote seines Besitzers nicht eingeht, obwohl er sie wahrgenommen hat, macht deutlich, wie wichtig er das gerade findet. Und das man es auch ignorieren kann.

An dieser Stelle wird es dann knifflig. Achtsamkeit, Respekt und Angemessenheit müssen auf neue Füße gestellt werden. Wie das gelingen kann, dazu mehr im nächsten Beitrag.

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