Die gute alte Schule…

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Was verbinden Sie mit dem Begriff „alte Schule“ wenn es um den Hund geht?

In meinem Kopf steigen Bilder auf vom strengen Ton. Das war es dann glücklicherweise auch schon, was ich aus meiner Kindheit in den 80zigern dazu noch erinnern kann. Von Hundeplätzen und vermasselter Schutzdienstausbildung blieben unsere Hunde verschont. Irgendwie klappte es auch so. Der ein oder andere lebte draußen im Zwinger, keinesfalls lümmelten unsere Hunde alle auf dem Sofa rum und nahmen uns die besten Plätze weg. Leckerchen waren im Haushalt meiner Eltern viele Jahre ein Fremdwort. Dass ein Riesenschnauzer kein Schaf ist und dass ein Hund auch mal ein Kind schnappt, wenn es übertreibt, das galt als normal. Und es wurde auch kein großes Trara drum gemacht.

Irgendwann bekamen wir dann mal einen Wurf „Flaschenkinder“ und behielten Eddy, der von meiner Mutter unglaublich verwöhnt wurde und fortan ihren Tag regierte ;-).

Mittlerweile lebten die Hunde dann auch mit im Haus. Die Zucht hatte mein Vater aufgegeben. Irgendwann beschloss er, der Zeit seines Lebens mit Hunden zu tun hatte, sich eine Dalmatinerhündin anzuschaffen. Es muss wohl reine Liebhaberei gewesen sein. Im Laufe der Jahre entwickelte der Hund ein umfassendes Problemspektrum. Sie jagte, schnappte nach Kindern und attackierte den Zweithund. Mein Vater war ratlos. Er hatte sich nie große Gedanken machen müssen, was das Sozialverhalten der Hunde in unserem Haus anging. Letztendlich fand der Hund einen Platz im Hundehimmel. Auch so wurden ausgemachte Verhaltensprobleme gelöst…

Die gute alte Schule meines Vaters war in diesem Fall an ihre Grenzen gestoßen. Was hatte dazu geführt?

Rückblickend hatte sich viel verändert im Haushalt meiner Eltern. Aus Zwingerhunden, denen man nach Feierabend ein klein wenig Zeit widmete, wurden Alltagsbegleiter, die viel mehr Raum und Aufmerksamkeit in Anspruch nahmen. Plötzlich wollte man täglich mit dem lauffreudigen Hund in wildreichem Gebiet spazieren gehen und wunderte sich dann über seinen Jagdtrieb.

Strukturen und klare Regeln, ohne großes Wissen aufgestellt, hatten das Gefüge jahrelang am Laufen gehalten. Nun war es aus dem Ruder gelaufen. Die Probleme, die unsere Dalmatinerhündin entwickelte, begegnen uns heute auch immer wieder. Hunde, die sich nicht mit Kindern vertragen; Hunde, die jagen; Hunde, die andere Hunde beißen.

Nun wissen wir heute glücklicherweiße vieles über den Hund und sein Verhalten. Was er braucht und was er nicht gebrauchen kann. Bücher stapeln sich in den Regalen und Hundeschulen finden sich an jeder Ecke.

Manchmal begegnen mir jedoch Menschen, die sich zum ersten Mal einen Hund anschaffen, kein einziges Buch dazu gelesen haben und intuitiv alles richtig machen. Sie bringen etwas mit, das kein Geheimnis, aber dennoch von unschätzbarem Wert ist: Sie haben einen Plan. Sie wissen, was sie wollen, was sie nicht wollen und dass der Hund ein Hund ist. Auch das ist ein Stück alte Schule. Die „gute alte Schule“ in diesem Fall. Sie hat nichts mit Lerntheorien, Leckerchen oder Leinenrucks zu tun sondern mit Persönlichkeit. Zu wissen, wo die eigenen Grenzen liegen, das Wohlwollen nicht aus dem Blick zu verlieren und dennoch einen Punkt machen zu können – das will ausbalanciert sein im Umgang mit dem Hund.

Ein Mensch, der mich in meiner Arbeit sehr geprägt hat, hatte immer so einen flotten Spruch dazu parat: Jeder bekommt den Hund, den er braucht. Ja so könnte man den Hund auch sehen – als Motor der Persönlichkeitsentwicklung. Als Spiegel unseres Selbst. Richtig angenommen kann das zu ganz neuen Ufern führen.

In diesem Sinne – eine gute Reise :-)…

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