Freilauf – von Wunsch und Wirklichkeit

Es ist wohl der Traum eines jeden Hundefreundes – entspannt gemeinsam durch Wald und Wiesen streifen.

Wer nicht auf einer einsamen Insel wohnt, begegnet dabei nicht selten den Tücken des Alltags… Angefangen bei der oft pauschalisierten Leinenpflicht, die auch Hunde in die Pflicht nimmt, die sich regelmäßig mit maximal 3km/h minimal abseits des Weges fortbewegen. Wer sich jedoch nicht glücklicher Besitzer einer ausgemachten Schlaftablette nennen kann, sieht sich ganz anderen Herausforderungen gegenüber.

Wald und Wiesen werden geteilt mit spielenden Kindern, Joggern, Reitern, motorisierten Jägern, Wildtieren und nicht zu letzt: anderen Hunden. Das alles im Blick und auch noch unter Kontrolle zu bringen, verlangt von Mensch und Hund eine Weitsicht und Selbstkontrolle, die zumindest dem Hund nicht gerade in die Wiege gelegt wurde.

Unser kleiner vierbeiniger Beutegreifer nimmt die schöne Landschaft sowieso aus einer ganz anderen Perspektive wahr als wir. Mit der Nase voran geht es durch die Gassimeile. Da ist hier was spannend und da was lecker, igitt – ja auch das gehört dazu. Die meisten Hunde werden wohl auch den Hasen, der jetzt im Frühjahr direkt vor ihnen aufspringt, nicht grußlos ziehen lassen.

Und wir? – Sind stets bemüht, alles im Griff zu behalten. Denn der Hund braucht ja seinen Freiraum. Und seine Bewegung. Dafür ist er doch gemacht, der Hund ist schließlich ein Lauftier.

Richtig. Und jetzt kommt das aber. Worum geht es beim gemeinsamen Spaziergang? In erster Linie um Entspannung und Bewegung. Es gibt Strecken, da können wir fünfe grade sein lassen. Da kennen wir uns aus, wissen, wer uns begegnet und dass die Hasen gerade Urlaub machen. Prima- beste Bedingungen für eine Freilaufrunde. Vorausgesetzt: der Hund ist jederzeit abrufbar. Denn nur das bringt unseren Puls nicht unnötig in Wallung und trägt damit zur Entspannung bei.

Die Sache ist also gar nicht so einfach und will gut überlegt sein.

Hier ein paar Ideen dazu:

„Das gemeinsame Ziehen durch die Landschaft mit einem souveränen Menschen, der es nicht nötig hat, sich anzubiedern, stellt die natürlichste Form des Spaziergangs dar und entspricht am ehesten dem Bedürfnis des Hundes.“

Dabei hat der Hund ja gut zu tun – er schnüffelt, markiert und checkt die Lage. Er braucht keinen Assistenten, der stehen bleibt, wenn er seine Duftmarken setzt oder ihn womöglich auch noch auf Sachen aufmerksam macht, die er längst als wichtig oder unwichtig eingestuft hat.

Der Mensch hat also bestenfalls einen eigenen Auftrag. Vielleicht so:

„Genießt den gemeinsamen Spaziergang, nehmt die Landschaft bewusst auf, steuert aktiv Ziele an (das kann zum Beispiel eine Parkbank, ein schöner Baumstamm zum Klettern etc. sein.). Dabei Reize als Mensch aktiv anzunehmen, ist eine grundlegende Voraussetzung für eine konfliktfreie Freifolge.“

Immer da, wo das nicht gegeben ist, mache ich mir gar keinen Stress. Schlechte Tagesform? Die Hasen sind aus dem Urlaub zurück? – nehme ich mal gleich die Schleppleine. Bisher hat noch keiner meiner Hunde beim Anblick der Schleppleine einen Spaziergang dankend abgelehnt. Warum auch? Ein gut eingearbeitetes Hilfsmittel – und nichts anderes ist die Schleppleine – schränkt kaum ein. Entspannt aber ungemein.

In diesem Sinne – habt allzeit einen entspannten Spaziergang :-).

DSC_5474

Advertisements

Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. Jan Gülzow sagt:

    Ein sehr schöner Artikel, alles passt und funktioniert, wenn sich alle Menschen so vernünftig daran halten würden. Als Jäger in einem Revier, das von Spaziergängen mit und ohne Hund stark genutzt wird, ist es manchmal zum staunen wie unvernünftig die Rudelführer sein können. Nur ein Beispiel :
    Letzte Woche mußte ich eine ältere Frau ansprechen, die ihren Labrador immer wieder auf den Weizenschlag schickte, genau dort sind jetzt die Junghasen. Angesprochen habe ich diese Frau noch freundlich und wies sie darauf hin, daß jetzt Brut – und Setztzeit wäre und alle Hasen und auch die Bodenbrüter haben ihre Eier gelegt hätten. Der erste Satz , den ich zuhören bekam war : Mein Hund tut nichts, der kennt andere Tiere und frißt keine auf. Ich versuchte der Dame zu erklären, daß auch ihr Hund Eier oder Junghasen fressen würde, wenn er die Gelegenheit dazu bekäme. Das ist ja ein ganz natürliches Verhalten. Die gute Frau ließ mich nichtmal aussprechen und drehte sich von mir weg und ließ mich stehen,völlig uneinsichtig und dann noch beleidigend. So eine Sache kann es allen anderen vermiesen. Aber die meisten Leute sind vernünftig und lassen ihre Hunde nicht wildern. Es hat niemand etwas dagegen, wenn ein Hund frei auf den Wegen läuft, wenn er auf sein Herrchen /Frauchen hört. Ich wünsche allen mit ihren Hunden viel Spaß in der Natur, genießt diese und achtet auch darauf.
    Jan Gülzow

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s